
Impfungen beim Hund gehören zu den wichtigsten Maßnahmen gegen vermeidbare Infektionskrankheiten. Die aktuelle deutsche StIKo Vet-Leitlinie von 2025 verfolgt dabei ein klares Prinzip: so häufig wie nötig und so viele Tiere wie möglich.
Ein sinnvoller Impfplan ist deshalb weder „jedes Jahr alles“ noch „möglichst wenig“, sondern orientiert sich an Core-Impfungen, Lebensstil, Reisen und individuellem Risiko.
Core und Non-Core
Core-Impfungen sollen jeden Hund vor Krankheiten schützen, gegen die dauerhaft ein Grundschutz bestehen sollte. Non-Core-Impfungen werden abhängig von Haltung, Alter, Kontakten und geografischem Risiko empfohlen.
Core-Impfungen nach StIKo Vet 2025
Für Hunde nennt die aktuelle deutsche Leitlinie Parvovirose, Staupe und Leptospirose als Core-Komponenten. Die Grundimmunisierung der Welpen umfasst mehrere Impfzeitpunkte in den ersten Lebensmonaten und wird mit einer Impfung im Alter von etwa 15 Monaten abgeschlossen.
Warum Welpen mehrfach geimpft werden
Welpen erhalten Antikörper von der Mutter. Diese schützen zunächst, können Impfviren aber gleichzeitig neutralisieren. Da der Zeitpunkt ihres Abfalls individuell verschieden ist, werden Staupe und Parvovirose in mehreren Stufen geimpft.
Allgemeines Schema nach StIKo Vet
- 8 Wochen: Parvovirose, Staupe, Leptospirose
- 12 Wochen: Parvovirose, Staupe, Leptospirose
- 16 Wochen: Parvovirose, Staupe
- 15 Monate: Parvovirose, Staupe, Leptospirose
Die konkrete Umsetzung hängt vom verwendeten Impfstoff und der individuellen Vorgeschichte ab.
Leptospirose
Leptospirose ist eine bakterielle Erkrankung und wird in Deutschland als Core-Impfung eingestuft. Nach Grundimmunisierung ist eine jährliche Auffrischung erforderlich.
Hepatitis contagiosa canis
HCC ist durch konsequente Impfprogramme in Westeuropa selten geworden. Die StIKo Vet stuft sie deshalb nicht mehr als unbedingte Core-Komponente ein. Viele Kombinationsimpfstoffe enthalten die Adenovirus-Komponente weiterhin.
Tollwut
Da Deutschland frei von terrestrischer Tollwut ist, gilt die Impfung nach StIKo Vet aktuell nicht als allgemeine Core-Vakzinierung. Für Reisen über Ländergrenzen ist eine gültige Tollwutimpfung jedoch vorgeschrieben. Außerdem sind geimpfte Hunde bei bestimmten seuchenrechtlichen Situationen bessergestellt.
Weitere Impfungen nach Risiko
Bordetella, Parainfluenza, Borreliose, Leishmaniose oder bestimmte Zuchtimpfungen können je nach Haltung und Exposition sinnvoll sein. Ein Hund mit häufigem Kontakt zu Gruppen hat ein anderes Risiko als ein Hund mit wenigen Kontakten.
Impfgespräch statt Automatismus
Vor jeder Impfung sollte die Impffähigkeit klinisch geprüft werden. Gleichzeitig ist der Termin eine gute Gelegenheit für Gewichtskontrolle, Zahnstatus, Haut, Herz und allgemeine Vorsorge.
Antikörpertiter
Bei bestimmten Impfkomponenten können Antikörpermessungen in ausgewählten Situationen eine Rolle spielen. Sie ersetzen jedoch nicht bei jeder Erkrankung die Impfung – insbesondere Leptospirose wird anders beurteilt als Staupe oder Parvovirose.
Warum nicht jede Impfung dasselbe Intervall hat
Die Schutzdauer hängt vom Erreger, Impfstofftyp und zugelassenen Produkt ab. Deshalb werden Staupe und Parvovirose nach abgeschlossener Grundimmunisierung häufig in größeren Abständen aufgefrischt, während Leptospirose einen jährlichen Schutzaufbau benötigt.
Impfpass regelmäßig prüfen
Besonders vor Reisen, Hundepension oder Veranstaltungen lohnt ein rechtzeitiger Blick in den Impfpass. Manche Einrichtungen verlangen bestimmte Impfungen oder zeitliche Abstände, und für Auslandsreisen gelten rechtliche Vorgaben.
Impfreaktionen
Leichte Müdigkeit oder Druckempfindlichkeit an der Injektionsstelle können kurzfristig vorkommen. Schwere Reaktionen wie Kreislaufprobleme, Atemnot oder ausgeprägte Schwellungen sind selten, benötigen aber sofortige tierärztliche Hilfe.
Vorsorge als Gesamtpaket
Impfungen sind ein Teil der Gesundheitsvorsorge neben Gewicht, Zähnen, Parasitenmanagement und regelmäßiger Untersuchung.
Häufige Fragen
Welche Impfungen gelten in Deutschland als Core-Impfungen für Hunde?
Nach der StIKo Vet-Leitlinie 2025 sollen Hunde gegen Parvovirose, Staupe und Leptospirose geschützt sein. Die Einstufung weiterer Impfungen hängt von Risiko und Situation ab.
Wie sieht die Grundimmunisierung beim Welpen aus?
Die StIKo Vet empfiehlt Core-Impfungen in der 8., 12. und teilweise 16. Lebenswoche sowie eine weitere Impfung mit 15 Monaten. Das konkrete Schema richtet sich auch nach Impfstoff und individueller Situation.
Warum wird mit 16 Wochen nochmals gegen Staupe und Parvovirose geimpft?
Maternale Antikörper können frühe Impfungen neutralisieren. Eine spätere Dosis erhöht die Chance, dass der Welpe nach Abfall dieser Antikörper zuverlässig aktiv immunisiert wird.
Wie oft wird gegen Leptospirose aufgefrischt?
Die StIKo Vet empfiehlt nach abgeschlossener Grundimmunisierung jährliche Wiederholungsimpfungen gegen Leptospirose.
Ist Tollwut in Deutschland eine Core-Impfung?
Nach StIKo Vet 2025 gilt Tollwut in Deutschland nicht als allgemeine Core-Impfung, da die terrestrische Tollwut getilgt ist. Für grenzüberschreitende Reisen ist eine gültige Tollwutimpfung jedoch vorgeschrieben und sie kann weitere rechtliche Vorteile haben.
Was bedeutet Non-Core-Impfung?
Eine Non-Core-Impfung wird abhängig von Lebensstil, Haltung, Reisegebiet oder besonderem Expositionsrisiko empfohlen, zum Beispiel gegen Bordetella oder Borreliose.
Soll ein kranker Hund geimpft werden?
Vor der Impfung wird die Impffähigkeit klinisch beurteilt. Bei akuten Erkrankungen kann eine Verschiebung sinnvoll sein.
Sind Impfungen jedes Jahr nötig?
Nicht jede Impfkomponente wird jährlich wiederholt. Die Intervalle unterscheiden sich nach Erreger, Impfstoff und Leitlinie. Leptospirose wird typischerweise jährlich aufgefrischt, Staupe und Parvovirose oft in größeren Abständen.
Fachliche Orientierung: StIKo Vet am Friedrich-Loeffler-Institut – Leitlinie zur Impfung von Kleintieren, 6. Auflage, Stand 06.01.2025; WSAVA Vaccination Guidelines 2024.
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